Die Zürcher Künstlerin Gabi Deutsch (*1973) bearbeitet unterschiedlichste Materialien, darunter auch gefundene und gebrauchte Gegenstände zur Anfertigung von Collagen aus materiellen Schichtungen sowie von skulpturalen Werken und Rauminstallationen. 

Im Zentrum ihrer Arbeiten steht ein auf den ersten Blick unsichtbares Netz an Bezügen, die verschiedene Gegenstände, Objekte, Bilder oder skulpturale Installationen zu einem Gesamten fassen. Die fragmentarischen Elemente setzten sich zu verschiedenen möglichen Narrationen zusammen. Als Grundlage ihres Referenzsystems dienen Verweise auf Kunst- und Designgeschichte, Zitate aus Literatur und Populärkultur, aber ebenso werden persönliche Erinnerungsfragmente mit eingeflochten. Deutsch untersucht in ihrem Schaffen Formen der Abstraktion und Übersetzung, indem sie die Potentiale des Materials zwischen Bewegung und Stillstand auslotet und die Prozesshaftigkeit sichtbar werden lässt. Aus Einzelteilen wird ein Ganzes konstruiert, es entstehen Collagen aus Überlagerungen und Übermalungen oder fragmentarische Raumkonstruktionen aus Objekten, die an Relikte einer verlassenen Bühne mahnen. Alltäglichen und bekannten Gegenstände und Materialien werden neue Bedeutungspotentialezugeschrieben. Eine zentrale Rolle besetzen ebenfalls die kommentierenden oder auf Referenzen verweisenden Titel der Arbeiten. So zitiert beispielsweise die Arbeit Geschehen erzeugen wo nichts geschehen will eine pathetisch anklingende Passage aus dem Buch Melancholie und Gesellschaft (1969) des deutschen Soziologen Wolf Lepenies. Das skulpturale Objekt, das an eine Versuchsanordnung mahnt, könnte Schauplatz einer eben abgeschlossenen Handlung sein oder aber ebenso auf eine zukünftige verweisen. Eine mögliche Gebrauchsfunktion des enigmatischen Objektes bleibt im Verborgenen. 

 

 

Judith Welter